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Besinnung:

Ein Bild zwischen Weihnachten und Ostern

Liebe Leserin, lieber Leser!

Das Evangelische Gesangbuch birgt viele Schätze. Lieder, Gedichte und auch eine ganze Reihe von Bildern. Das  erste der 45 abgedruckten Bilder ziert unsere aktuelle Titelseite. Es stammt von Jean Arp und trägt den Titel:  „Christus am Kreuz“.

Mein erster Impuls war, diese Zeichnung den Passionslie- dern zuzuordnen. Aber nun findet es sich beim Advents- lied „Macht hoch die Tür“. Das ist erstaunlich. Ein Kruzifix in der Vorweihnachtszeit.

Das Bild selbst ist ausgesprochen reduziert. Keine Farben, keine Landschaft, keine Menschen. Nur der Gekreuzigte. Wir sehen dünne Linien, wie mit dem Lineal  gezeichnet. Jesu Kreuz nur angedeutet. Der Körper des Gekreuzigten stark vereinfacht. Der Kopf ein Oval. Keine  Hände. Die Arme angewinkelt. Sie lassen die Last des  Körpers erahnen. Die Füße ruhen auf einer Stütze.

Acht Strahlen sind erkennbar. Sie bilden ein zweites Kreuz. Das erste, das Kreuz aus Holz, ist ein Folterin- strument. Das zweite, das Kreuz aus weihnachts- und  osterstrahlendem Licht, ist die Antwort des Künstlers auf das erste Kreuz. Der Gekreuzigte – und im gleichen Bild der Auferstandene.

Dem Künstler Jean Arp ist es 1948 nach schweren Jahren möglich geworden, das Licht der Geburt, das Kreuzigungs- und das Ostergeschehen in einem einzigen Bild zu sehen. Der Tod erscheint als notwendiger Durchgang zum  Leben. Inmitten von Trauer und Todeserfahrung überwindet Jean Arps Christus die lebensverneinende Dimension und führt zu neuer Lebenskraft.

Der frühchristliche Adventshymnus des Ambrosius von Mailand aus dem Jahre 386 drückt dies in der Übersetzung Martin Luthers so aus: „Sein Lauf kam vom Vater her und kehrt wieder zum Vater, fuhr hinunter zu der Höll und wieder zu Gottes Stuhl“ (EG 4,3).

Das Lukasevangelium 24,4f berichtet: „Und als sie darüber ratlos waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer in  glänzenden Kleidern. Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht  ihr den Lebenden bei den Toten?“

Und Lothar Zenetti hat darüber folgende Zeilen gedichtet: „Sucht den Lebendigen nicht bei den Toten, denn er will in uns allen erstehn. Ja, es geschehen noch Zeichen und Wunder. Und wer glaubt, kann sie heute schon sehn.“

Eine gute Zeit zwischen Weihnachten und Ostern wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer  
Siegfried Schwenzer

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