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Besinnung:

Liebe Leserin! Lieber Leser!

Mit zunehmender Dunkelheit wächst im Dezember unsere Sehnsucht nach Licht. Uns wird bewusst, wie lang sich der Winter hinzieht, und während wir auf die längste Nacht des Jahres zugehen, spüren wir auch stärker, was uns traurig und müde macht, Angst einjagt, unseren Zorn erregt.

Ein Mittel, um Abhilfe zu schaffen besteht darin möglichst, viel Lichter anzuzünden. Der dunkelste Monat des Jahres wird zugleich die Zeit der Lichterflut. An Straßen und Fassaden funkeln Sterne, in Vorgärten finden sich ganze Landschaften aus Lichterketten, Reh und Rentier, Nikolaus und Schlitten, an manchen Balkonen lebhaft blinkenden farbenfrohen LED-Schmuck. Versuche, die Finsternis außen und innen zu bekämpfen. Zur unübersehbaren Lichterpracht gesellt sich ein überhörbares Lichtwort der Bibel. Nach langem Schweigen gesprochen von Zacharias, Antwort auf die Geburt seines Sohnes Johannes, der Jesus den Weg bereiten wird: “Das aufgehende Licht aus der Höhe wird uns besuchen, damit es denen erscheint, die in Finsternis und Schatten des Todes sitzen“.

Dies ist nicht ein Licht, das sich aufdrängt. Es überfällt uns nicht erbarmungslos, es überwältigt und blendet nicht. Dieses Licht mutet mild an. Ein kleines Licht, das den kleinen Lichter zu ihrem Recht verhilft. Das Licht eines Sternes, das Licht einer Kerze – im Advent erleben wir, welche Macht eine einzige Kerze in einem dunklen Raum hat. Das Licht, das Zacharias besingt, besucht uns und lädt zugleich ein. Es bekämpft nicht die Finsternis, es verwandelt sie aber. Es macht aus dem Dunkel eine Stätte der Ruhe und Zuflucht, einen Schutzraum, der Geborgenheit schenkt. Matthias Claudius spricht von „der Dämmrung Hülle“, die uns „so traulich und so hold“ umgibt. „Heilig-liebes Dunkel“ nennt es ein andrer Poet. In vielen Krippendarstellungen ist es zu finden. Das sanfte Weihnachtslicht spiegelt sich auf den Gesichtern der Eltern, der Hirten, die versunken das neugeborenen Kind betrachten. Es verwandelt ihre Finsternis in heilig-liebes Dunkel, es glättet Sorgen – und Zornesfalten, lockert zusammengepresste Kiefer, mildert den bittern Zug um dem Mund, besänftigt den angstvollen Blick, wischt die Verachtung aus den Augen …
und löst vielleicht die Zunge zum Singen, wie es dem Zacharias geschehen ist.

Ihre Pfarrerin Katrin Büttner

 

 

 

 

 

 

 

 

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