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Pfarrer Peter Wolff

Zum Karfreitag, 10. April 2020

Karfreitag ist anders.
Das war schon immer so.
An Karfreitag ist es, als würde die Welt innehalten.

Karfreitag ist anders.
Dieser Karfreitag mehr denn je.
Es ist nicht nur, als würde die Welt innehalten.
Für einige ist es, als würde die Welt, wie sie sie kannten, untergehen.

Auch meine Welt bricht ein Stück weit zusammen.
Auch ich verliere sicher geglaubten Boden unter den Füßen.

Wo finde ich in solchen Momenten Halt?
Was rettet mir meine Hoffnung? Gar meinen Glauben?

Karfreitag ist anders.
Seinem Wesen nach ist er ein stiller Tag.
Vielleicht passt er deswegen so gut in diese weltbewegende Zeit, die mit den Worten von Papst Franziskus „alles mit einer ohrenbetäubenden Stille und einer trostlosen Leere erfüllt“.

Dieser Karfreitag ist anders.
Nichts lenkt uns ab.
Kein traurig-schönes Orgelvorspiel, kein tragend-voller Gemeindegesang zu „O Haupt voll Blut und Wunden“, keine erhebend-schaurige Matthäuspassion.

An diesem Karfreitag geht es nur um ihn. Und um mich
Nur ich und der Gekreuzigte.

Ich möchte an diesem Karfreitag versuchen, die Stille auszuhalten.
Ich möchte versuchen zu schweigen, zu schauen und auszuhalten.

„Wenn du dir die Welt anschaust, wirst du verzweifelt sein. Wenn du nach innen schaust, wirst du deprimiert sein. Aber wenn du auf Christus schaust, wirst du zur Ruhe kommen.“ (Corrie ten Boom)

 

Altarkreuz in der KreuzkircheAltarkreuz in der Kreuzkirche 

 

Aus Psalm 22 (Jesu Klagepsalm)

Gott, mein Gott,
warum hast du mich verlassen?
Ich schreie, aber meine Hilfe ist fern.
Gott, ich rufe am Tag,
doch du antwortest nicht.
Ich rufe in der Nacht,
doch ich finde keine Ruhe.
Sei nicht fern von mir,
denn ich fürchte mich.
Es gibt niemanden, der mir hilft.
Gott, sei nicht fern.
Komm und hilf mir!

Aus Markus 15 (Jesus am Kreuz)

Und sie kreuzigten ihn. Und sie teilten seine Kleider und warfen das Los darum, wer was bekommen sollte. Und es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten. Und es stand geschrieben, welche Schuld man ihm gab, nämlich: Der König der Juden. Und sie kreuzigten mit ihm zwei Räuber, einen zu seiner Rechten und einen zu seiner Linken. Und die vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen: ‚Ha, der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, hilf dir nun selber und steig herab vom Kreuz!‘ Desgleichen verspotteten ihn auch die Hohenpriester untereinander samt den Schriftgelehrten und sprachen: ‚Er hat andern geholfen und kann sich selber nicht helfen. Der Christus, der König von Israel, er steige nun vom Kreuz, damit wir sehen und glauben.‘ Und die mit ihm gekreuzigt waren, schmähten ihn auch. Und zur sechsten Stunde kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. Und zu der neunten Stunde rief Jesus laut: ‚Eli, Eli, lama asabtani?‘ Das heißt übersetzt:

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Und einige, die dabeistanden, als sie das hörten, sprachen sie: ‚Siehe, er ruft den Elia.‘ Da lief einer und füllte einen Schwamm mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr, gab ihm zu trinken und sprach: ‚Halt, lasst uns sehen, ob Elia komme und ihn herabnehme!‘ Aber Jesus schrie laut und verschied.

Meditation

Aushalten.
Schweigen aushalten.

Zerbrochenes aushalten.
Einsamkeit, Trauer, Klage
und keine Antwort darauf.
Aushalten.
Gott, mein Gott,
warum hast du mich verlassen?

Aushalten.
Und keine Antworten auf meine Fragen.
Wie lange kann ich einsam sein?
Wie lange ohne Umarmung?
Wie lange ohne ein liebevolles Wort?
Wie viele Tote werden wir beklagen müssen?
Wo klafft heute eine Lücke, weil jemand fehlt?
Wieviel Ungewissheit kann ich aushalten?

Wann schaffe ich den Blick weg von mir.
Hin zu dir.
Halte mit aus.
Schweige nicht.
Sprich zu mir: „Halte aus!“


Gebet

Gott,
für alle, die schreien wie Jesus,
für alle, die nicht mehr aushalten können:
Hilflos und ohnmächtig halten wir sie dir hin,
all diese Menschen.
Wir klammern uns an die Hoffnung,
dass du ihre Schreie aufnimmst – und meine auch.
Und ihre Tränen sammelst – und meine auch.
Dass du keinen verloren gibst
und selbst durch den Abgrund
für uns einen Weg ins Leben findest.

Amen.

 

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Ihre Evang. Kirchengemeinde Heslach

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Kommende Termine

31 Mai 2020
10:00 Uhr
Matthäuskirche
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