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Besinnung:

Liebe Leserin, lieber Leser!

Zu Beginn geht es ums Abschiednehmen. Sie halten diesen Gemeindebrief in Händen zum Auftakt der Karwoche, in der wir das Leiden und den gewaltsamen Tod Jesu am Kreuz bedenken. Eine Geschichte geht zu Ende, die Geschichte eines kurzen Lebens, das ganz von Gott her gelebt wurde und ganz für die Menschen da war.

Ende einer Geschichte – Geheimnis des Anfangs Doch das Ende dieser Geschichte erhält einen neuen Anfang, von Gott gestiftet. Er setzt dieses Lebens ins Recht. So wird es zum Zeichen der göttlichen Liebe selbst. An Ostern feiern wir die Auferweckung Jesu nicht als Privatangelegenheit dieses Einen. Jesus von Nazareth ist keine Privatperson, sondern zieht andere mit hinein in sein Leiden, Sterben und Auferstehen. Für den Apostel Paulus ist er der Erste, an dem sich vollzieht, was allen verheißen ist. „Es wird gesät verweslich; es wird auferstehen unverweslich.“ schreibt er. Vom Verweslichen zum Unverweslichen, vom Vergänglichen zum Unvergänglichen, vom zerstörbaren zum unzerstörbaren Leben. Der Übergang aber passiert nicht wie von selbst, so wie auf den Winter der Frühling folgt. Das „Stirb und werde“ ist nicht natürlich. Das hieße den Tod illusionär verharmlosen, der brutal und leidbringend Leben abbricht. Dennoch spricht der Apostel von der Auferstehung in Bildern der Natur: von Saat und Ernte, von Wachsen und Reifen. Aber eben auch von gestalteter, geschaffener Natur.

Gott der Gärtner – wir die Saat
Gott selbst erscheint als sorgsamer pflegender Gärtner, der uns aussät. Dieses unser Leben seine Saat, die aufgehen und gedeihen soll, blühen und Frucht tragen. Ein Leben allerdings, gekennzeichnet von Vergänglichkeit, Vorläufigkeit, Unvollkommenheit. Angewiesen auf guten Boden, freundliches Klima, auf Schutz und bekömmliche Nahrung für Leib, Seele, Geist. Angewiesen und verletzlich – doch deshalb nicht weniger wert. Gerade deshalb unendlich viel wert. Wert, in eine neue unzerstörbare Gestalt verwandelt zu werden. Dafür stehen Wirken und Geschick Jesu von Nazareth. Gott bewirkt die Verwandlung, richtet das Niedergetretene auf, heilt das Verwundete, vollendet das Abgebrochene. All diese Aspekte gehören zum Auferstehungsglauben. Wie auch die Überwindung von Bosheit und Schuld. „Es wird auferstehen unverweslich“ – der Auferweckende bestimmt uns dazu, hineinzuwachsen in das Bild Jesu: den Bruder, den Freund, uns voraus und uns zur Seite. Viel Grund zu feiern an Ostern. Hoffnung für alle Abschiede, die wir nehmen oder die uns zugemutet werden, für Geschichten, die zu Ende gehen, zur Zeit oder Unzeit.


Abschied von der Heslacher Gemeinde
Zeit, Abschied zu nehmen ist es auch für mich geworden. Abschied als Pfarrrein der Heslacher Evangelischen Kirchengemeinde. Zum 1. Mai dieses Jahres werde ich in den Ruhestand gehen. Zum Abschied gehören Rückblick und Erinnerung an die Entwicklungen und Veränderungen, in der Gemeinde und meinem persönlichen Leben.
Im Herbst 1993 trat ich die 2. Pfarrstelle an der Kreuzkirche an als Kollegin von Pfarrer Frieder Kobler und in Nachbarschaft mit der Matthäusgemeinde. Für einige Jahre war ich zu je 50% in der Matthäusgemeinde und Kreuzgemeinde tätig und nach der Fusion der beiden Kirchengemeinden 2006 wurde ich auf die verbliebene halbe Pfarrstelle an der Matthäuskirche gewählt. Zusammen mit Gabriele Arnold und Frieder Kobler setzten wir den Zusammenschluss beider Gemeinden um, eine Phase, die allen Beteiligten, Laien wie Pfarrpersonen, Haupt- und Ehrenamtlichen, sehr viel Kraft abverlangte.

Nicht wenige mögen sich wundern, dass ich so viele Jahre hiergeblieben bin, ungewöhnlich für den Pfarrberuf. Doch meine Heirat und die berufliche Verwurzelung meines Mannes in Stuttgart führten dazu, dass ich letztlich in Heslach heimisch geworden bin. Langweilig ist die lange Zeit nicht geworden. Es gab jede Menge gute Musik. Es gab die mühelose Ökumene mit der katholischen Nachbargemeinde St. Josef. Es gab immer neu schöne und schwere Aufgaben. Es gab die solidarische Zusammenarbeit mit den Kollegen Siegfried Schwenzer und Peter Wolff. Das gute Klima im Kirchengemeinderat und im Kreis der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden, das auch Auseinandersetzungen und Konflikt aushielt. Dafür bin ich dankbar. Und besonders für allen Humor, der das Miteinander freundschaftlich würzte und half, das Schwere auch mal leicht zu nehmen.

Viele Geschichten wären zu erzählen, vieler Menschen zu gedenken, denen ich in den zurückliegenden 27 Jahren begegnet bin, die ich begleiten durfte, die ich bewundert habe und noch bewundere, die nicht mehr leben und mir unvergesslich sind, mit denen zusammen ich Gottesdienst gefeiert, nachgedacht und diskutiert habe, gelacht und getrauert, gesungen und gebetet, Zweifel und Glauben geteilt. Kurz: mit denen gemeinsam ich den Spuren zu folgen versuchte, die seit Ostern gelegt sind.
„Herr, dir in die Hände, sei Anfang und Ende, sei alles gelegt.“ Mit Mörikes Zeilen möchte ich Gewesenes und Kommendes Gott anbefehlen und Abschied feiern. Ich freue mich, wenn Sie dabei sind! Gottes Segen behüte die Heslacher Gemeinde und ihre Menschen!

Ihre
Katrin Büttner

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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