Toogle Left

Besinnung:

Vertröstung – oder fester Glaube? Wie eine billige Vertröstung auf das Jenseits wirkt der Vers des Apostels Paulus aus dem Römerbrief: Es ist doch egal, wie schwer dieses Leben ist, das Entscheidende kommt erst noch. Es ist doch egal, ob es in dieser Welt Gerechtigkeit gibt oder nicht, in der ewigen Herrlichkeit werden die Benachteiligten dann schon zu ihrem Recht kommen.

Wenn wir diesen einzelnen Vers aber in den Zusammenhang des ganzen Briefes an die Gemeinde in Rom stellen, dann erscheinen diese Aussagen noch einmal in einem anderen Licht. Im zentralen 8. Kapitel seines Briefes geht es Paulus darum, Gottes Liebe und Treue in die Mitte zu stellen. Die Kernaussage: Nichts, aber auch gar nichts, kann uns trennen von der Liebe Gottes (8,38+39). Von dieser Grundüberzeugung her scheint es Paulus angemessen und richtig, das derzeitige Leiden der Menschen neu einzuordnen.

Paulus ist weder taub noch blind. Er nimmt wahr, dass die ganze Schöpfung seufzt unter ihrer Vergänglichkeit. Aber sie fügt sich nicht in ihr Leiden. Sie erwartet stattdessen sehnsüchtig die Befreiung. Und Gott hat den Menschen seinen Geist gegeben, damit sie schon jetzt erkennen können, dass die Vollendung der Welt bereits angebrochen ist, so wie sich bei einer Geburt das neue Leben mit dem Einsetzen der Wehen ankündigt (8,19-23).

Wir Menschen stehen für Paulus deshalb in einer Leidensgemeinschaft mit allen anderen Geschöpfen. Und diejenigen, die auf Gott vertrauen, die sollen stellvertretend für die gesamte Schöpfung die Hoffnung nicht aufgeben. Paulus vertraut fest darauf, dass sich am Ende die Liebe Gottes durchsetzt und die gesamte Kreatur von Tod und Leiden befreit wird. Die Kraft für diese Hoffnung gewinnt er aus der Gewissheit, dass das Seufzen der Schöpfung von Gott gehört und wahrgenommen wird, weil der Heilige Geist die Anliegen der „Heiligen“ vor Gott bringt (8,27).

Am Ende werden also weder Leiden noch Tod stehen, sondern die Herrlichkeit der Liebe Gottes. Davon ist Paulus überzeugt. Gottes Herrlichkeit als Ziel der gesamten Schöpfung wird nichts und niemand aufhalten können, weil am Ende Gott selber alle Vergänglichkeit und alles Leiden überwinden wird (V.29-39).

Tiefgreifende Gedanken eines ebenso klugen wie frommen Mannes, mit denen ich Sie in der (Vor-) Passionszeit

herzlich Grüße

Ihr Pfarrer Siegfried Schwenzer

Toogle Left